Straff im Haff

Ueckermünde erwacht. Rosi’s Fischbrötchen-Stand bedient die, die morgens schon mit Fisch starten wollen. Oder mit Bier. Wir mögen lieber die leckeren Ostbrötchen vom Bäcker und unseren Apfelkaffee.

 Dann raus und ab ins Haff. Kaum sind wir draußen, verdichten sich die Wolken und das Meer zu einem einzigen Grau. Dann 5 Windstärken und Regen. Dann Stellnetze so eng an der Fahrrinne, dass man die Fische schon sehen kann. Dann hoch an den Wind Richtung Oder. Immer die Stellnetze im Blick kreuzen wir mit kurzen Schlägen straff Richtung Eingang Kaiserkanal. Als wir an den schlimmsten Stellnetzvarianten vorbei sind und freies Wasser erreichen nimmt der Wind zu und wir kommen gut voran. Am Eingang zum Kaiserkanal sichten wir eine Segelyacht, ein polnisches SAR und die polnische Küstenwache im kleinen Motorboot. Offensichtlich hat die Yacht ein Problem. Wir segeln ins Fahrwasser und nehmen das Groß runter. Fock raus und drehen in Richtung Eingang Kaiserkanal. Dort kommt gerade ein riesiges Schwimmponton heraus.

Wir beschließen zu warten bis die Einfahrt frei wird und segeln am Kanal lang. Der Wind weht mit 5 Bft und es regnet und regnet. Plötzlich steht die Gotland auf der Stelle unter geblähter Fock. Tiefe noch 2,50m. Stellnetze sind keine zu sehen. Die üblichen Fischerfähnchen – aber da sind wir nicht durchgesegelt. Die Oder schiebt uns Richtung Land und der Wind macht mit. Mittlerweile stellt sich heraus, dass wir straff mit 2kn vor Treibnetz segeln. Die Maschine dürfen wir nicht benutzen, da zu befürchten ist, dass das Netz in der Schraube hängt. Eine abgeranzte Colaflasche taucht am Heck auf und folgt uns. Durch winken und hupen versuchen wir den SAR und die Behörden auf uns aufmerksam zu machen. Sie kommen in unsere Richtung und  fahren wieder. Haben sie uns wahrgenommen? Sie fahren mit der anderen SY in den Kanal. Wir treiben hinterher. Erst einmal in den Kanal. Der ist lang und etwas ruhiger. Also Anker klar und hoffen, dass man im Kanal den Anker fallen lassen kann um nachzusehen was los war. Mittlerweile kommt der SAR in unsere Nähe. Wir bedeuten ihm unser Problem. Haben sie uns verstanden? Sieht nicht so aus. Sie bleiben auf Distanz. Links im Kanal ist ein Anleger. Dort könnte man hindriften. Wir versuchen es. Die polnische Küstenwache nähert sich nun uns vorsichtig von Achtern und fischt unseren Treibanker hoch. 

Mehrere Nylonseile mit Haken bewährt kommen zum Vorschein und ein Rest Netz. Sie schneiden – wir treiben. Der Fluss ist zu schnell und wir erreichen den Anleger nicht. In dem Moment werden wir befreit und die Gotland nimmt Fahrt auf. Wir testen noch die Maschine und alles scheint in Ordnung. Wir bedanken uns und erholen uns von dem Schrecken. Anscheinend ist die vorher zu rettende SY auch in diesem treibenden Netz gefangen gewesen, dass uns dann auch „gefischt“ hat. Nun segeln wir vor dem Wind durch einen verregneten Kanal nach Swinemünde. Alles ist nass, klamm und kalt. 

Eine letzte Motorfährensituation mit drei kreuzenden Kanalfähren wird gemeistert und dann gibt es am 03.August 2016 Glühwein!!! – Segelsommer ist alle.